Arbeitsbedingungen in Bangladesh: ein Leserbrief von Aaron Müller

Hallo, mein Name ist Aaron Müller, ich bin 39 Jahre alt und mein Beruf ist Reporter. Ich war im Auftrag der Deutschen Zeitung „Consumers Update“ in Bangladesch, um über die dortigen Arbeitsverhältnisse in einer Kleidungsfabrik aufzuklären. Undercover wurde ich in eine Firma eingeschleust, damit ich dort einen Tag lang den Arbeitsablauf der Arbeiter beobachten konnte. Was ich dort sah hat mich erschrocken!

 
Ich kam mit einem Flugzeug in Bangladesch an. Im Flugzeug machte ich mir schon Gedanken über die möglichen Umstände in den Fabriken. Als ich zur Firma fuhr, sah ich schon von der Ferne aus ihren miserablen Zustand. Vor der Firma konnte ich mehrere Arbeiter auf der Straße sitzen sehen, die gerade dabei waren, die überstehenden Nähte von den Klamotten abzuschneiden. Ohne, dass ich mich in die Firma begeben musste, konnte ich schon erkennen, dass die Gewässer in der Nähe von der Fabrik von Chemikalien verunreinigt sind. Sie schimmerten seltsam bläulich-grau.Ich wurde dort Undercover eingeschleust und habe mir dann ein Bild von den Menschen und der dortigen Situation gemacht. Ich nahm zuerst das Nähen der Klamotten unter die Lupe. In der Nähabteilung ist mir aufgefallen, dass die Arbeiter sehr eng aneinander sitzen und den ganzen Tag dieselben Bewegungsabläufe machen müssen. Die Räume sind sehr warm und stickig, da keine funktionierende Lüftung vorhanden ist. An den Wänden hat sich schon schädlicher Schimmel gebildet. Außerdem dürfen sie nicht während der Arbeit reden. Leider sind die Arbeiter gezwungen dort unter diesen Umständen zu arbeiten, denn sie haben keine andere Möglichkeit Geld zu verdienen. Trotzdem reicht das Geld nur gerade so aus, um sich zu ernähren.
 
Der chemische Geruch von den Färbungsmitteln breitet sich in der ganzen Fabrik aus. Die Baumwolle wird in Ätznatron und Säure getränkt, um die blaue Farbe besser aufzunehmen. Ich habe später erfahren, dass diese Stoffe sehr krebserregend sind. In der nächsten Abteilung kümmern sich Arbeiter um das Design der Hosen. Von dort scheint der chemische Geruch zu kommen. Hier wird der beliebte Used-Look mithilfe von Sandstrahlen erzeugt. Diese Methode ist sehr gesundheitsschädlich, da sich feine Sandkörner in der Lunge festsetzen können. Die Arbeiter haben hier noch nicht einmal einen Mundschutz oder andere Möglichkeiten sich vor den schädlichen Stoffen und Partikeln zu schützen. Ich habe erfahren, dass hier immer wieder Menschen sterben durch Silikose (Staublunge).
 
Sobald die Hosen ihren Used-Look erhalten haben, werden sie durch Einfärben noch veredelt. Im Nachhinein werden die Hosen mit blauer Farbe eingefärbt. Die Farben sind sehr ätzend und der Geruch ist wirklich kaum zu ertragen. Meine Augen haben gebrannt und nicht mehr aufgehört zu tränen. Es wundert mich nicht, dass die ganze Fabrik nach diesem Mittel riecht.
 
 
In einem Nebenraum werden die Jeans zum Bleichen verarbeitet. Dafür verwenden die Arbeiter Kaliumpermanganat, welches genauso gesundheitsschädlich ist. Vor allem hier arbeiten überwiegend Jugendliche, die minderjährig sind. Die meisten arbeiten nur wenige Jahre hier, weil die Arbeiter durch die giftigen Bedingungen keine lange Lebensdauer haben. Damit die Käufer nichts vom Chemieeinsatz mitbekommen, werden die Klamotten vorher noch mal in die Wäscherei gegeben. Nach dem Waschen gelangt das verunreinigte Abwasser in Kanäle, Flüsse und in das Trinkwasser.
Es ist ziemlich erschreckend, dass die Arbeiter eine geringe Lebenserwartung haben und nur 150 Euro verdienen für 30 Tage im Monat. Die Arbeiter bekommen hier nur eine Stunde Pause am Tag, obwohl sie von 8:00 Uhr bis 23:00 Uhr arbeiten müssen. Viele sind entkräftet und haben einen extremen Schlafentzug. Wie unmenschlich diese Art Jeans herzustellen ist, muss ich wohl nicht mehr erwähnen. Ich steige nach einigen Tagen der schockierenden Wahrheit über unsere Jeans in den Flieger zurück nach Deutschland und fühle mich schlecht. Ich lasse auf dem langen Rückflug meine Erlebnisse Revue passieren und beschließe für mich in Zukunft genau darauf zu achten, woher meine Jeans kommt. Es gibt ja doch einige Firmen, die Jeans fair produzieren. Das rate ich wirklich auch ihnen!
 
Ein fiktiver Leserbrief von Christian Bretscher und Florian Müller
 

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